13.09.2019

Die Zukunft der Automobilindustrie in Mittel- und Osteuropa

Wir erleben derzeit einen grundlegenden Wandel in der Automobilindustrie. Digitalisierung, Klimawandel und Nachhaltigkeit, Urbanisierung, Individualisierung sowie eine umfassende Veränderung des Mobilitätsbegriffs sind nur einige der vielen Megatrends, die zu diesen Veränderungen beitragen. Die anhaltenden Veränderungsprozesse werden auch eine große Anzahl von Arbeitnehmer_innen im Automobilsektor treffen. Die Folgen werden nicht nur Arbeitsplatzverlust, sondern auch inhaltliche und arbeitsweisenbedingte Veränderungen darstellen. Die Auswirkungen der Umgestaltung dieses Sektors in vier mittel- und osteuropäischen Ländern (Tschechische Republik, Slowakei, Ungarn und Rumänien) wurden im Rahmen des FES-Regionalprojekts analysiert, das auf Initiative des Prager Büros der FES ins Leben gerufen wurde.

Die Automobilindustrie ist der Schlüsselsektor für die MOE-Region - sie ist von großer wirtschaftlicher Bedeutung und beschäftigt eine große Anzahl von Arbeitnehmer_innen. In den 1990er Jahren verlagerten viele Automobilhersteller die Produktion in diese Region, weil die Löhne niedrig waren und die Lohnkosten günstig ausfielen. Dies bedeutet heute aber auch eine hohe Abhängigkeit vom Auslandskapital und auch, dass jede strategische Entscheidung, beispielsweise in welchem ​​Land produziert wird, in Westeuropa oder in einem anderen Land getroffen wird. Dies trägt zu der herausfordernden Situation der Automobilindustrie in Mittel- und Osteuropa bei. Der Druck auf die Branche nimmt im Zusammenhang mit der Digitalisierung, neuen Formen der Autonutzung und höheren Umweltstandards sowie einigen anderen Megatrends zu. Gleichzeitig versuchen China und Silicon Valley sich auf dem internationalen Markt zu etablieren und den Druck auf die europäischen Produzenten weiter zu erhöhen. Darüber hinaus zwingen die erst kürzlich verabschiedeten Ziele der Europäischen Union zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes die Automobilhersteller und ihre Zulieferer zum Handeln.

Vor diesem Hintergrund gewinnt das Thema der Transformation der Automobilindustrie für die MOE-Region zunehmend an Bedeutung. Die laufenden Veränderungen sind so grundlegend, dass nicht nur auf der Ebene der Automobilunternehmen und der Regulierung dieses Sektors reagiert werden muss. Politische Entscheidungsträger_innen, Arbeitgeber_innen, Gewerkschaften, Kunden und alle Beteiligten müssen reagieren, damit der notwendige Wandel erfolgreich ist.

Das FES Projekt analysiert die Auswirkungen des Wandels der Automobilindustrie auf die Beschäftigung in diesem Sektor aus der Perspektive einzelner Regionen. Hierbei geht es nicht nur um den Verlust von Arbeitsplätzen, sondern auch um Änderungen der Arbeitsmethoden und Arbeitsinhalte. Das Projekt befasste sich auch mit möglichen Szenarien der Entwicklung und des Handelns einzelner Akteur_innen. In einzelnen Ländern (Tschechische Republik, Slowakei, Ungarn und Rumänien) wurden Studien durchgeführt, um die Auswirkungen der Umgestaltung der Automobilindustrie auf die Arbeitnehmer_innen im Land und mögliche Szenarien für die künftige Entwicklung zu analysieren. Wie aus den Studien hervorgeht, weisen die Länder in dieser Hinsicht viele Gemeinsamkeiten auf, die sich aus ihrer Position integrierter Peripherieländer in globalen Produktionsnetzen ergeben. Es hat sich gezeigt, dass die Automobilindustrie in Mittel- und Osteuropa von einschlägigen Veränderungen betroffen ist und auf diese vorbereitet werden muss. Während des regionalen Workshops in Prag im Mai 2019 wurden die Ergebnisse der Studien Gewerkschaftsvertreter_innen aus allen vier Ländern vorgestellt.

Für diejenigen, die mehr über das Thema erfahren möchten, fügen wir eine Publikation in englischer Sprache bei, die eine kurze Zusammenfassung jeder regionalen Analyse sowie eine gemeinsame Schlussfolgerung enthält.

Ebenfalls finden Sie unten einen Link zu der Studie in slowakischer Sprache "Die Zukunft der Arbeitnehmer in der Automobilindustrie in der Slowakei", die wir bereits veröffentlichten.

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