Montag, 13.05.19 | Banská Bystrica, Poniky

Grüne lokale Energie – ein Weg für die Slowakei

2017 verzeichnete die Slowakei einen Anstieg der Kohlendioxidemissionen um 2,8%, was erheblich zur globalen Erwärmung und zum Klimawandel beiträgt. Die EU insgesamt hat die Emissionen um 2,5% gesenkt. Die Entwicklung in der Slowakei widerspricht daher dem EU-Plan, die Emissionen bis 2030 um 30% zu senken, sowie den tatsächlichen Fortschritten der Union in diesem Bereich.

In der Erwägung, dass ein wesentlicher Beitrag zur Verringerung der CO2-Emissionen der Übergang von fossilen Brennstoffen als Energiequelle zu erneuerbaren Quellen sowie die Tatsache wäre, dass die Slowakei für einen solchen Übergang zwangsläufig regionale Energiemanagementkapazitäten benötigt, rief die FES SK in Kooperation mit der Umweltschutz-Organisation CEPA und dem österreichischen Renner Institut das Projekt „Grüne lokale Energie – Ein Weg für die Slowakei. Beispiele guter Praxis.“ ins Leben.

 

Ziel des Projekts, welches mehrere Tagungen umfasst, ist es, die Entwicklung der personellen und institutionellen Kapazitäten einer nachhaltigen regionalen Energiepolitik hin zur Energieautarkie auf der Grundlage einer nachhaltigen Nutzung lokaler natürlicher Ressourcen in ausgewählten Bezirken der Slowakischen Republik zu unterstützen. Das Projekt beabsichtigt einen Beitrag hierzu zu leisten, indem Beispiele guter Praxis aus ausgewählten Regionen der Slowakei sowie aus dem Ausland - Deutschland, Österreich und der Tschechischen Republik - vorgestellt werden, die auf Expertenmeinungen, Fallstudien und neuesten wissenschaftlichen und technologischen Erkenntnissen sowie fortschrittlicher nachhaltiger Energiepolitik beruhen. Anhand dieser sollen einige Leitlinien zu Praktiken und Empfehlungen für Änderungen auf der Ebene der kommunalen, regionalen und nationalen Energiepolitik formuliert werden.

 

Das erste Projekttreffen fand am Montag, den 13. Mai 2019 unter Teilnahme der Vertreter_innen von Städten und Gemeinden aus den Bezirken Kežmarok, Rožňava, Rimavská Sobota, Levice, Nitra und Prievidza statt. Die Teilnehmer_innen bekamen einen ersten Input in den Räumlichkeiten der Slowakischen Innovations- und Energieagentur in Banská Bystrica, und fuhren anschließend in die Ortschaft Poniky, wo für sie eine Exkursion zu dem Nachhaltigkeitsprojekt Bioenergia Bystricko vorbereitet wurde.

 

Am Vormittag des Programms präsentierte Alexander Ač vom Forschungszentrum für Globale Veränderungsforschung der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik für die Teilnehmer_innen grundlegende Fakten zu den Auswirkungen des Klimawandels auf die Slowakische und Tschechische Republik, vor allem im Kontext ihrer kritischen Auswirkungen auf die Landwirtschaft und andere wichtige Bereiche. A. Ač erklärte unter anderem, dass die Slowakei in naher Zukunft eine der trockensten Gegenden der Welt sein wird, und betonte, dass das Land derzeit - in Bezug auf Notwendigkeiten, aber auch Möglichkeiten - sehr wenig ehrgeizige CO2-Reduktionsziele hat, was durch konkrete Zahlen und Grafiken bestätigt werden kann.

 

Der ehemalige Bürgermeister von Bratislava Milan Ftáčnik präsentierte den Vertreter_innen der Städte und Gemeinden die globale Bürgermeisterkonvention für Klima und Energie, die bisher mehr als 7000 Städte und Dörfer der Welt unterzeichnet haben. Für die Slowakei sind jedoch nur vier Gemeinden beteiligt. Milan Ftáčnik wies in seinem Beitrag auch auf das Grundproblem der EU-Projekte zur Nachhaltigkeit im Energiebereich hin. Dieses ergibt sich, weil die EU die Vorbereitungs- und Konzeptionsphase von Projekten finanziell unterstützt, nicht aber die Durchführungsphase, die für die Kommunalverwaltungen einen erheblichen einschränkenden Faktor darstellt.

 

Kvetoslava Šoltésová, Leiterin der Abteilung für Gesetzgebung, Methodik und Bildung der Slowakischen Innovations- und Energieagentur (SIEA) in Banská Bystrica, ging in ihrem Vortrag auf die Finanzierungsmechanismen und die besonderen Herausforderungen dabei ein und wies darauf hin, dass mehr als 80% der finanziellen Leistungen von bestehenden Ausschreibungen noch unbenutzt bleibt.

 

Juraj Zamkovský von der Bürgervereinigung Friends of the Earth - CEPA und der Koordinator dieses Projekts identifizierte in seinem Beitrag den fundamentalen Grund für die geringe Inanspruchnahme von Finanzmitteln zur Kapazitätsauslastung lokaler Energiequellen. Das Projekt "Grüne lokale Energie – Ein Weg für die Slowakei" will auch diesen Bereich auf Beispiele für bewährte Praktiken hinweisen und versuchen die Situation in diesem Bereich zu verbessern. In seinem Vortrag zeigte J. Zamkovsky an konkreten Zahlen und Beispielen, welchen immensen ökologischen und ökonomischen Nutzen es für die Gemeinde oder Stadt darstellt, den Übergang von einem zentralen Energieversorger hin zu grünen lokalen Quellen zu vollziehen, auch um die Einnahmen aus Energieerzeugung und -versorgung in den Händen der Region zu behalten. J. Zamkovsky hat auch kritisch bewertet, dass Energieplanung als Teil der Lehrpläne in der sekundären Schulbildung in der SR praktisch nicht existiert, obwohl es sich um ein Gebiet handelt, das ökologisch wie ökonomisch relevant und notwendig.

 

Am Nachmittag fuhren die Teilnehmer_innen des Treffens in das Dorf Poniky bei Banská Bystrica. Am Beispiel des Projekts Bioenergia Bystricko, das sechs Kommunen zusammenbringt, in denen 21 kommunale Gebäude aus lokalen natürlichen Energiequellen beheizt werden, konnten die Teilnehmer_innen die Machbarkeit und Funktionalität eines solchen Modells der Energieautarkie in den slowakischen Regionen beurteilen. Nach Angaben von Petr Lakomčík, dem gesetzlichen Vertreter und Geschäftsführer des Vereins, konnte beispielsweise die Grundschule in Čierny Balog durch die Umstellung auf Hackschnitzelheizung die Heizkosten um bis zu 60% senken.

 

Das Projekt, das wir mit Partnern in Banská Bystrica und Poniky gestartet haben, wird vor dem Sommer mit Vorträgen in- und ausländischer Expert_innen in Bratislava und mit einer Exkursion in die grünen lokalen Projekte der österreichischen Stadt Bruck an der Leitha und der Gemeinde Gänserndorf fortgesetzt.

Friedrich-Ebert-Stiftung
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